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Mobilfunkbetreiber berichtet: Es ginge auch anders

Quelle: Telefongespräch mit einem Mitarbeiter eines Mobilfunkbetreibers, 22.02.2002

Selbst in den Reihen der Mobilfunkbetreiber selbst mehren sich die kritischen Stimmen. Ein Beispiel hierfür war der Anruf eines Mitarbeiters eines Mobilfunkbetreibers (Name und Kontaktdaten des Mitarbeiters können zu dessen Schutz nicht an dieser Stelle veröffentlicht werden) bei uns, der sich sehr kritisch mit der untragbaren Situation auseinandersetzte. An dieser Stelle einige Auszüge aus dem Telefonat, die sehr zum Nachdenken anregen:

"Ich habe selbst sehr viele Masten mit aufgebaut. Bis vor wenigen Monaten wussten wir selbst nichts bis wenig von Gesundheitsgefahren. In letzter Zeit wird der Druck aus der Bevölkerung immer stärker, wir werden angefeindet und beschimpft. Immer mehr wird bekannt in letzter Zeit. Klar, daß mittlerweile Strahlenschutzkleidung eingesetzt wird, wenn man täglich damit zu tun hat...

Ich weiß, daß es so nicht mehr weitergehen kann.

...Es geht hier nur ums Geld, das ist klar. Bei der Festlegung eines Standortes spielt nur eins eine Rolle und das sind die Kosten. Nichts anderes zählt, absolut nichts. Die beiden Großen wollen die Kleinen kaputtmachen, sie sind erbarmungslos und hinterlassen verbrannte Erde, ohne jede Rücksicht..."

Bei UMTS kommen auf die gesamte Bevölkerung noch höhere Strahlenbelastungen zu als schon bei GSM, die Immissionen werden noch deutlich höher sein.

Technisch ginge vieles anders. Die Belastung der Bevölkerung könnte mit einfachen Mitteln sehr leicht und sehr stark reduziert werden. Wir hier bei uns arbeiten zur Zeit an einem Konzept hierfür, es gibt sehr viele Möglichkeiten. Die Kosten würden vielleicht um 15 % höher liegen für die Betreiber, wenn überhaupt. Aber selbst das ist den Führungsspitzen zu viel.

Ein Dachstandort kostet nach seinen Aussagen momentan durchschnittlich ca. 150000 Euro einschließlich Systemtechnik und Akquise (darunter 4000-5000 Euro Provision für den Makler).

Ein neuer Standort kostet mindestens 300000 Euro oder auch mehr.

Damit ist für jeden  klar, daß die Betreiber da lieber vorhandene Dächer nutzen wollen...

Allein durch die Standortwahl und die Reduzierung der Leistung könnte man die Belastung der Bevölkerung selbst bei der GSM-Technik schon sehr stark reduzieren. Die Gemeinden sollten alle ihre Möglichkeiten nutzen, besonders die Bebauungspläne (ändern, falls noch nicht geschehen), die Flächennutzungspläne, die Ortsgestaltungssatzung, sensible Bereiche definieren.

Nach unserer Meinung würde es genügen, wenn die Handys draußen funktionieren würden und drinnen nicht mehr. In so gut wie allen Häusern gibt es innen Festnetzanschlüsse. Dort, wo das nicht der Fall ist oder dort, wo man auch in den Häusern unbedingt mit dem Handy telefonieren will, könnte man kleine Rezeptoren-Antennen auf die entsprechenden Gebäude setzen. All die anderen Häuser wären damit strahlenfrei.

Technisch wäre noch so viel anderes möglich. Die Bundesregierung müßte Gelder einsetzen und alternative Übertragungstechnologien fördern. Es gibt bereits viele alternative Verfahren, die jedoch noch nicht marktreif sind, aber vieles wäre machbar und könnte marktreif gemacht werden. In der Zwischenzeit müßte man die Belastung deutlich reduzieren, durch bessere Standorte (höher, weiter weg, leistungsschwächer) oder dadurch, daß die Handys nur draußen funktionieren.

Wir müssen weg von der gepulsten Technologie, ungepulste Verfahren müssen gefördert und marktreif gemacht werden. Technisch ginge vieles, finanziell will man dies momentan nicht bei den Großen und nicht bei der Regierung.

Die hohen Sendeleistungen, die momentan fast überall eingesetzt werden, sind eigentlich nicht einmal technisch wünschenswert, da es bei hohen Sendeleistungen durch immer mehr Interferenzen zu Beeinträchtigungen der Gesprächsqualität kommt. Man macht es trotzdem, um mit jeder Anlage so weit wie möglich strahlen zu können und Baukosten zu sparen.

Die freiwillige Selbstvereinbarung der Mobilfunkindustrie mit den Kommunen ist völlig sinnlos. In der Praxis wird diese nicht eingehalten, Masten werden weiter überall hingebaut, ohne jede Rücksicht."

Name und Kontaktdaten sind uns bekannt und werden zum Schutz des Mitarbeiters nicht veröffentlicht.


Aufruf zum Dauerprotest

Mailkontakt: webmaster@umtsno.de

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