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Mobilfunkgegner finden 15 Krebshäufungen in England

Quelle: The Observer, 28.07.2002

Übersetzung des Originalartikels:

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Mark Townsend

Schulen bekommen Bares, wenn sie "gesundheitsgefährdende" Sendemasten auf ihrem Gelände akzeptieren

Krebscluster führen zu Fragen über die Telekom-Geldquellen

Schulen und Krankenhäuser in Großbritannien verdienen Millionen britischer Pfund durch Verträge mit Sendemastenbetreibern. Sie akzeptieren trotz gesundheitlicher Bedenken Sendemasten auf ihrem Gelände.

Mehr als 1000 Schulen und Krankenhäuser haben Angebote von Telekommunikationsfirmen angenommen, Sendemasten und Antennen auf ihren Grundstücken zu akzeptieren. Diese belaufen sich auf durchschnittlich 10.000 britische Pfund.

Diskussionen werden jetzt laut, da Mobilfunkgegner behaupten, 15 Krebshäufungen bei Menschen in der Nähe von Sendemasten gefunden zu haben. In der bisher größten Untersuchung dieser Art haben Mobilfunkgegner die Ergebnisse einer nationalen Datenbank, die im Januar gestartet wurde, zusammengestellt und spezielle Meßgeräte verwendet, die Mikrowellenstrahlung nahegelegener Sendemasten aufspürt.

Auch wenn es bisher noch keinen direkten Beweis dafür gibt, daß die Mikrowellenstrahlung der Sendemasten krank macht, haben die gestern vorgestellten Ergebnisse zu Rufen nach einer Überprüfung der "biologischen Effekte" von Mobilfunksendemasten geführt.

Mehr als 14.000 neue Sendemasten werden in Großbritannien in den nächsten 18 Monaten aufgestellt - zusätulich zu den bereits exisitierenden 26.000 - da die Industrie zur nächsten Generation von Mobiltelefonen rüstet.

Phil Willis, Liberaldemokrat und Abgeordneter des britischen Unterhauses sowie Vorsitzender der Allparteien-Parlamentsgruppe für mobile Telekommunikation:

"Wenn man sich einige dieser Cluster (Häufungen) anschaut, dann sieht man Muster, die biologische Effekte klar glaubhaft machen, die im Zusammenhang mit diesen Sendestationen beobachtet werden.

"Neue Forschungen über die Effekte biologischer Zusammenhänge und Beweise mancher Professoren aus der ganzen Welt scheinen zu zeigen, daß es in dieser Sache offene Fragen gibt, die beantwortet werden müssen. Die Regierung weigert sich jedoch, diese Gesundheitsbedenken ernstzunehmen. Sind diese Häufungen Zufall oder gibt es hier Übereinstimmungen? Wir benötigen hierfür neue unabhängige Forschung."

Die Mobilfunkgegner-Gruppen Mast Action UK und Mast Sanity nutzten für ihre Ergebnisse Beschwerden von Menschen in der Nähe von Mobilfunksendemasten, die hohe Krebsraten und andere Gesundheitsprobleme berichteten.

Sie benutzten ein Meßgerät namens acousticCOM, das im nächsten Monat offiziell vorgestellt werden soll. Das Meßgerät piept, wenn es hohe Mikrowellenstrahlungswerte in Häusern und Gärten findet. Eine der Krebshäufungen befindet sich in Crediton bei Exeter, wo Anwohner 4 Krebsfälle und drei Leukämiefälle im Umkreis von 300 Metern um einen Sendemast feststellten.

In Gainsborough, Lincolnshire, wurden 4 Fälle von Gehirnblutungen festgestellt - drei bei unmittelbaren Nachbarn - bei Anwohnern im Umkreis von 100 Metern um einen Sendemast.

Die aktuellste von den Gruppen gefundene Krebshäufung befindet sich in Milford Haven, Wales, wo sechs Menschen an Krebs erkrankten, seit ein Sendemast aufgestellt wurde.

Terry und Trisha Thomson leben mitten in einem identifizierten Cluster in Tolworth, Surrey.

Ihre Familie lebt zwischen zwei Sendemasten, einer davon auf einem Krankenhaus, der andere auf dem Dach eines Büroblocks. Trisha bekam vor drei Jahren Hautkrebs, ihr 49 Jahre alter Eheman hat Rachenkrebs, ihre 13-jährige Tochter klagte über Hautausschlag.

Terry fordert: "Wir wollen einen Mindestabstand für Masten von Wohngebieten. Das Meßgerät gibt ohrenbetäubende Geräusche ab, wenn wir es im hinteren Teil des Gartens oder vor dem Haus benutzen. Wir können dem nicht entgehen", fügt er hinzu.

Die Mobilfunkgegner haben in der Nachbarschaft außerdem u.a. Brustkrebs-, Darmkrebs- und Lymphdrüsenkrebserkrankungen festgestellt.

Die Telekommunikationsindustrie behauptet jedoch, die Masten seien sicher und verweisen auf eine Reihe von Studien, die keinen Zusammenhang zwischen Krebs, Mikrowellen und Sendemasten gefunden hätten.

Die unabhängige Expertengruppe für Mobiltelefone fand bisher keinen Beweis für Gesundheitsrisiken durch Sendemasten.

Außerdem maß das NRPB (National Radiological Protection Board) die Strahlung an 118 Stellen rund um 17 Masten bei Schulen und Büros und fand keine Gefahr.

Selbst Experten, die über einen möglichen Krebszusammenhang besorgt sind, warnen davor, dass es schon so viele Masten in Großbritannien gibt, daß der Beweis eines Zusammenhangs immer schwieriger wird.

Ein Sprecher des Mobilfunkbetreibers 02 Großbritannien erklärte: "Für manche Schulen ist das ein lukratives Geschäft; alles was sie kriegen können, ist gut für sie."

Kommentar der Elektrosmognews: Dass überall die (viel zu hohen) Grenzwerte eingehalten werden, dürfte sich mittlerweile bis in den letzten Winkel herumgesprochen haben. Nur nützt das offensichtlich nichts. Dass die Krebshäufungen in dem allgemeinen Strahlenwirrwarr untergehen werden, dürfte auch nur eine vage Hoffnung der Industrie sein, denn es gibt hochsignifikante Dosis-Wirkungs-Zusammenhänge und die Unterschiede in der Strahlenbelastung sind nach wie vor gewaltig. Es gibt Wohngebiete, die mit dem Vieltausendfachen von dem bestrahlt werden, was andere abbekommen. Siehe hierzu:

http://www.iddd.de/umtsno/emfkrebs/abstaende.htm

Ein Handy funktioniert schon bei 0,001 Mikrowatt pro Quadratmeter, in vielen Gebieten ist die Strahlenbelastung noch unter der wahrscheinlich gesundheitlich gerade noch akzeptablen Schallmauer von 1 Mikrowatt/Quadratmeter (im Freien), es gibt jedoch auch Gebiete, in denen bereits viele Hunderte oder Tausende Mikrowatt pro Quadratmeter gemessen werden. Baubiologische Erfahrungen, epidemiologische Studien bei Rundfunk- und Fernsehsendern und neuerdings auch bei Mobilfunksendern zeigen, dass eine sofortige und drastische Absenkung der Grenzwerte dringend erforderlich ist.

Aufruf zum Dauerprotest

Mailkontakt: webmaster@umtsno.de

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