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BUND: Bundesweite Messaktion ab November

Quelle: Junge Welt, 18.10.2002

Ermitteln, was ankommt

BUND startet in Goettingen bundesweites Messprogramm zu Mobilfunkstrahlung in Haushalten

Österreichische Studie: Spermienqualität verschlechtert sich bei Handynutzung innerhalb weniger Tage

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) will die tatsächliche Belastung der Bevölkerung durch Mobilfunkstrahlen ermitteln. Die bundesweit bislang einmalige Initiative soll im November in Göttingen starten, sagte BUND-Sprecher Hermann Merkord am Donnerstag dem Pressedienst epd.

In Privathaushalten, die sich an dem Projekt beteiligen, soll ein vom BUND beauftragtes Ingenieurbüro die elektromagnetische Strahlung messen, erläuterte Merkord. Dabei werde nicht allein die von Mobilfunkmasten und Handys ausgehende Belastung erfaßt. Gemessen werde auch die von schnurlosen Telefonen, Baby-Phones, drahtlosen Computernetzwerken und Radios abgegebene Strahlung. »Wir wollen feststellen, was insgesamt bei den Leuten ankommt«, sagte Merkord.

Nach Angaben des BUND gibt es in Deutschland mittlerweile Zehntausende Mobilfunkstationen. Für den geplanten UMTS-Standard werde die Zahl der Stationen noch einmal verdoppelt bis verdreifacht, bestehende Standorte würden nachgerüstet. Über die genaue Zahl der Anlagen und über mögliche gesundheitliche Belastungen lägen bislang keine verläßlichen Daten vor. Ein Grund dafür sind die Genehmigungsverfahren. Bis 1996 mußten die Betreiber von Mobilfunksystemen die Errichtung von Antennen und Stationen nicht bei den Behörden melden. Nötig waren allein Verträge mit Grundstücks- und Gebäudebesitzern.

»Die in der Bevölkerung verbreiteten Ängste vor der elektromagnetischen Strahlung werden weggeredet, unterschätzt oder als Ökospinnerei abgetan«, sagte Merkord. Verwaltungen, Politik und Industrie speisten die Öffentlichkeit mit pauschalen Unbedenklichkeitserklärungen und dem Hinweis auf die geltenden Grenzwerte ab. Die allerdings seien »völlig unzureichend« und liegen zum Teil auch weit höher als in anderen EU-Staaten. Um die Belastungen zu erfassen, zu beurteilen und mögliche Konsequenzen zu ziehen, seien umfassende und unabhängige Messungen »unabdingbar«.

Die Teilnehmer des jeweils über mehrere Tage laufenden Meßprojektes erhalten eine Dokumentation aller erhobenen Meßdaten und eine schriftliche Erläuterung, sagte Merkord. Zusätzlich werde eine Bewertung von Fachleuten über die gesundheitlichen Risiken überreicht. Die aufwendigen Messungen seien allerdings nicht kostenlos. Für das Programm würden 350 Euro berechnet. Ähnliche Messungen in privatem Auftrag würden ein Vielfaches kosten.

Kürzlich hatte sich das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter für ein Forschungsprogramm zur Wirkung von Mobilfunkstrahlung ausgesprochen. Berichte von Menschen, die ihre gesundheitlichen Beschwerden auf benachbarte Mobilfunkstationen zurückführen, müßten ernstgenommen werden, erklärte der Präsident des Amtes, Wolfram König. Bisherige Forschungsergebnisse aus aller Welt zeigten zwar keine negativen Folgen für die Gesundheit bei Einhaltung der Grenzwerte. Andererseits lägen Untersuchungsergebnisse vor, für die es keine Erklärung gebe.

Für Aufsehen hatte zuletzt eine Studie aus Österreich gesorgt. Urologen des Landeskrankenhauses Oberwart untersuchten den Einfluß der von Mobiltelefonen erzeugten elektromagnetischen Wellen auf die Spermienbeweglichkeit bei Männern zwischen 29 und 39 Jahren. Das Ergebnis: Durch häufige Nutzung von Handys verschlechtert sich die Samenqualität bereits innerhalb weniger Tage.


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