Das Quellenmaterial bezüglich des Massakers von Jedwabne

Im März 2001 der Amtsleiter des Staatsarchivs Białystok, bei der Geschäftsstelle in Łomża, Herr Leszek Kocoń führte eine Nachforschung durch. In ihrer Folge wurde das Quellenmaterial bezüglich der Ereignisse von 10. Juli 1941 in Jedwabne, wiedergefunden. Es sind Zeugenaussagen polnischer wie jüdischer Herkunft erhalten geblieben. Sie wurden in Gerichtsakten des Stadtgerichts Łomża wiedergefunden. Im Mai 2000 wurden sie von dem Amtsgericht in Łomża übernommen.

Darin sind Aufgebotsverfahren zur Für-Tot-Erklärung. Sie haben Aktenzeichen aus dem Jahr 1947, Az. 167 und 236; aus dem Jahr 1948, Az. 129, 130, 165, 234, 235, 308, 334, und aus dem Jahr 1949, Az. 105 und 178. Darüber hinaus erscheinen Vermerke über diese Ereignisse in den Akten aus dem Jahr 1948 mit den Signaturen Co 4,13 und 52.

Diese Akten lieferten insgesamt 28 Zeugenaussagen von 19 Zeugen, davon neun waren Zeugen jüdischer Herkunft. Aus der Anzahl 19, neun Zeugen (davon fünf jüdischer Herkunft) beschreiben sich selbst als Augenzeugen der Ereignisse. In der Sache Zg 236/1947 werden zwei weiteren Zeugen jüdischer Herkunft erwähnt, deren Aussagen sich nicht in der Aktentasche befinden. Diese Sache ist umso wichtiger, dass es die fragliche Anzahl der verbrannten Menschen aufklären könnte. Aus der Inhalt des Aufgebotsverfahrens wird ersichtlich, dass in Jedwabne auch die jüdische Bevölkerung aus Wizna verbrannt wurde.



In den Gerichtsakten gefundene Zeugenaussagen:

Rechtssache Zg. 167/47

Józef Ramotowski, 36 Jahre alt. "Sie wurden im Juli 1941 von den Deutschen in Jedwabne ermordet. Neben ihnen, alle Juden aus Jedwabne wurden in der Scheune verbrannt. Ich weis das nur vom Hörensagen, denn ein Augenzeuge war ich nicht./../Damals, kamen etwa 1500 Juden ums Leben. Ich sah, wie die Deutschen ganz große Menschenmasse der jüdischen Bevölkerung[1] trieben in die Scheune hinein, in der sie verbrannt wurden."

Tadeusz Zarzecki, 38 Jahre alt. "Ich wohnte als Nachbarn von der Familie Piekarski. Ich sah, wie die Deutschen sie aus ihrer Wohnung zum Marktplatz fortjagten und von dort trieben sie die ganze jüdische Bevölkerung[2] in die stehende außerhalb der Stadt Scheune hinein, wo sie verbrannt wurden. An diesem Tag kamen über 1000 Personen der jüdischen Bevölkerung um".


Anmerkungen des Übersetzers Krzysztof Puzyna:

Übersetzung des Textes aus dem Antrag auf die Kassation des Urteils von IPN / Ignatiew aus dem Jahr 2003.

http://idb.neon24.pl/post/143698,spaleni-zywcem-w-jedwabnem
oder in pdf Format http://iddd.de/JedwabneDE.pdf

[1] "von der jüdischen Bevölkerung" -der Zeuge war wohl ein Jude, denn ein Pole sagte damals wie heute: "die Juden", oder "Juden."

[2] Die Bezeichnung "Jude" hatte bis 1989 negativen Beigeschmack, darum, wenn der Zeuge kein Jude war, könnte einer der Protokollführer politische Änderungen vornehmen und statt "Juden"- Menschen aus der jüdischen Bevölkerung oder "von der jüdischen Abstammung" schreiben. Das wäre aber nur meine vage Vermutung.



Rechtssache Zg 236/47

Auszug eines Antrags[3]: "… und seine Frau mit der restlichen, am Leben gebliebenen, jüdischen Bevölkerung von Wizna nach Jedwabne umgesiedelt wurde. Dort im Juli 1941 wurde sie zusammen mit den restlichen Juden aus Wizna verbrannt."


[3] Betrifft Aufgebotsverfahren um Person für tot erklären zu lassen.

Rechtssache Zg. 129/48

Tadeusz Zarzecki, 38 Jahre alt. "Im Jahr 1941 die Deutschen haben alle Juden aus Jedwabne /../ in die Scheune hineingetrieben und verbrannt. Ich war der Augenzeuge der Verbrennung."

Stanisław Olszewski, 28 Jahre alt. "Im Jahr 1941 Deutschen hatten alle Juden aus Jedwabne verbrannt. Am nächsten Tag habe ich in der Scheune verbrannte Leiche aller Juden gesehen."

Eljasz Grądowski, 24 Jahre alt. "Meine Großmutter Mejta Chinka Grondowska wurde im Jahr 1941 von den Deutschen durch die Verbrennung ermordet. Damals war ich in Russland."

Rechtssache Zg. 130/48

Tadeusz Zarzecki, 38 Jahre alt. "Ich war der Augenzeuge des Mordens von Juden durch die Deutschen in Jedwabne. Alle Juden dieses Städtchens in der Anzahl über 1000 Personen haben Deutsche in die Scheune getrieben und dort verbrannt."

Stanisław Olszewski, 25 Jahre alt. "Am 10. Juli 1941 Deutschen verbrannten alle Juden in Jedwabne (in der Scheune). /../ Ein Tag nach der Ermordung der Juden, sah ich die verbrannten Leichen von Juden."

Eljasz Grądowski, 24 Jahre alt. "Meine Mutter Bluma Grondowska wurde am 10.07.1941 von den Deutschen zusammen mit anderen Juden durch Verbrennung ermordet. Damals war ich in Russland."

Rechtssache Zg. 165/48

Mojżesz Keller, 39 Jahre alt. "Im Jahr 1942 die Deutschen trieben alle Juden in die Scheune hinein und sie in Brand steckten, sodass niemand von den Juden sich retten konnte. Ich war nicht dabei, aber mir ist damals gelungen aus Jedwabne wegzulaufen und ich wurde nicht in die Scheune hineingetrieben. Das hat mir Kilingros Motek, der später mit mir zusammen im Getto von Łomża sich aufgehalten hat und das mir erzählte."

Dawid Mosiężnik, 31 Jahre alt. "Im Monat Juli 1942, die Deutschen haben allen Juden befohlen, auf den Marktplatz zu gehen. In jener Zeit gehörte ich der Widerstandsbewegung an. Ich war in Jedwabne. Dort sah ich, dass auf dem Marktplatz, mit den Juden auch Lejba Pendziuch war. Sie geleiteten alle Juden ordnungsmäßig in Vierer aufgestellt, vom Marktplatz zur Scheune und dann hatten sie die Scheune in Brand gesetzt. /../ In dieser Scheune verbrannten etwa 700 Juden."

Rechtssache Zg. 234/48

Józef Przestrzelski, 26 Jahre alt. "Im Jahr 1942 Deutsche haben alle Juden durch die Verbrennung in der Scheune ermordet."

Franciszek Butrynowicz, 37 Jahre alt. "Nach der Verbrennung der Juden in Jedwabne, habe ich Hana Sztern und ihren Ehemann Hersz Sztern gesehen. Danach ist sie aus Jedwabne ausgereist und was ist mit ihr passiert weis ich es nicht."

Rechtssache Zg. 235/48

Józef Przestrzelski, 26 Jahre alt. "Ich sah Hersz Sztern und seine Frau in dem Taxi mit der Gestapo fahrend in die Richtung von 2 KM entfernten Wald in Kosaki. Danach, ungefähr eine halbe Stunde Später sah ich, wie die gleichen Gestapo-Polizisten ohne diese Juden zurückkamen, also sie haben sie im Wald hingerichtet."

Franciszek Butrynowicz, 37 Jahre alt. "In Juli 1942 Deutsche haben alle Juden in Jedwabne in der Scheune verbrannt."

Rechtssache Zg. 308/48

Hercek Cieśluk, 32 Jahre alt. "Im Juli 1941 Deutsche ermordeten alle Juden in Jedwabne durch die Verbrennung in der Scheune. I habe gesehen, wie sie Juden in die Scheune trieben /../ und dann die Scheune in Brand setzten. Damals versteckte ich mich in Jedwabne vor den Deutschen. Ich war im Versteck und konnte mich retten. Sie haben die Juden am Tag verbrannt."

Jankiel Benc, 46 Jahre alt. "Am 10. Juli 1941, sah ich wie die Deutschen alle Juden aus Jedwabne in die Scheune trieben und sie in Brand steckten./../ Damals versteckte ich mich vor den Deutschen. Zu dieser Zeit war ich im Versteck, auf dem Friedhof und konnte alles sehen."

Rechtssache Zg. 334/48

Stanisław Zejer, 58 Jahre alt. "Am 10. Juli 1941 wurde er von den Deutschen in der Scheune verbrannt. Damals haben Deutschen alle Juden aus Jedwabne in dieser Scheune verbrannt. Ich habe gesehen, wie die Deutschen alle Juden in die Scheune hineintrieben /../ und die Scheune in Brand setzten. Das war am Tag."

Marian Żyluk, 36 Jahre alt. "Ich sah, wie am 10. Juli 1941 Deutschen alle Juden aus Jedwabne in der Scheune verbrannten. Ich sah auch, dass sie auch Abram Kruk in die Scheune hineintrieben und er verbrannte."

Rechtssache Zg. 105/49

Zelik Lewiński, 53 Jahre alt. "In dieser Zeit, als die Deutschen in Jedwabne einmarschiert sind, die jüdische Bevölkerung wurde massenweise in die Scheune hinter Jedwabne hineingetrieben und in dieser Scheune wurde sie massenhaft verbrannt. Ich war, zusammen mit dem Vater des Antragstellers, unter den zur Scheune getriebenen Menschen. Jedoch kurz vor der Scheune ist mir gelungen zu fliehen und sich hinter der Friedhofsmauer neben der Scheune zu verstecken. Ich stelle entschlossen fest, dass ich mit eigenen Augen das gesehen habe /../ wie die Deutschen sie hineintrieben /../ in die Scheune, und dann die Scheune in Brand gesteckt und alle dort hineingedrängten Juden verbrannt. In dieser Scheune wurden einige Hundert Juden verbrannt."

Rechtssache Zg. 178/49

Ludwik Załuska, 56 Jahre alt. "Ende Juni 1941 habe ich darüber gehört, dass Abram Ibram /../ von Deutschen verbrannt wurde."

Rechtssache Co. 4/47

Mendel Kacew, 29 Jahre alt. "Sora Drejarska samt der ganzen Familie wurde von Deutschen verbrannt."

Rechtssache Co. 13/47

Eljasz Grądowski, syn Berka, 22 Jahre alt. "Im Jahr 1941, am 10. Juli wurde sie von den Deutschen auf diese Weise ermordet, dass Juden /../ wurden in die Scheune getrieben und dort in Brand gesteckt. Ich weis dies, denn ich habe mich damals in der Gegend versteckt gehalten."

Tadeusz Zarzecki, 37 Jahre alt. "Am 10. Juli 1941 wurde sie von den Deutschen auf diese Weise ermordet, dass Juden /../ wurden in die Scheune hineingetrieben und verbrannt. Das Ganze sah ich mit eigenen Augen."

Rechtssache Co. 52/47

Chaim Sroszko, 30 Jahre alt. "Die Deutschen hatten Piekarskich im August verbrannt, an das Jahr erinnere mich nicht."

Eljasz Grądowski, 23 Jahre alt. "/../1941 wurden Grądowscy von den Deutschen verbrannt."

Rywka Fogiel, 38 Jahre alt. "/../ Damals, als die Deutschen Juden beseitigten, verschleppten sie Familie Piekarski und bis heute ist sie nicht zurückgekehrt."

Piotr Modzelewski, 65 Jahre alt. "/../ Piekarski mit Ehefrau Gołda wurden von Deutschen verbrannt. /../"

Józefa Mroczkowska, 60 Jahre alt. "/../ Deutsche haben Familie Piekarski verbrannt. /../"